Samstag, 10. März 2012

Plastikbeutel

Die Straßen sind dreckig. Nur wenig Sonnenlicht findet den Weg zwischen die hohen Häuser.
Überall liegen aufgerissene Müllbeutel aus denen stinkender Abfall quillt. 
Von den Dachrinnen tropft in regelmäßigen Abständen miefiges Regenwasser.
Kein schönes Bild.
Wäre dieser Weg nicht wesentlich kürzer, hätte sie ihn nicht genommen.
Aber heute hat sie nicht genug Zeit um große Umwege zu machen,
denn die Whiskeyflasche, die sie extra oben auf dem Schrank versteckt hat, kommt ihr in den Sinn. 
Mit beiden Händen trägt sie vollgestopfte Plastikbeutel, die im Takt ihres schneller werdenden Schritts hin- und herbaumeln.
Ihr Blick schweift zu ihrem linken Handgelenk.
Ihre Armbanduhr ist mal wieder stehen geblieben.
"Scheißteil!", flucht sie und tritt gegen eine leere Dose.

Sie kommt zu spät, dass merkt sie sofort.
Der Geruch von Alkohol und Zigaretten liegt in der Luft.
Schnell läuft sie in ihr Zimmer und versteckt die beiden Tüten.
Da hört sie auch schon die Stimme ihrer Mutter.
Sie folgt ihr ins Wohnzimmer.
Die Whiskeyflasche steht leer getrunken neben dem Sofa.
Den letzten Schluck schüttet ihre Mutter gerade herunter,
danach übergibt sie sich vor die Füße ihrer Tochter.

"Ich liebe dich, vergiss das bitte nicht."
"Ich dich doch auch Mum. Ich dich auch...."

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